|
16446 Proseminar
Die Ordnung der Rede
Seit die Rhetorik als symbolisches System der Benennung und Umbenennung verhandelt wird, fungiert sie nicht nur als Theorie der schönen Rede, sondern ist als Ensemble geregelter Verfahren zur Produktion, Zirkulation und Wirkungsweise von Sprechakten weitreichendes Medium zur Begründung und Regelung kultureller Diskurse. Rhetorik als Zeichen-, Kultur- und Anthropotechnik erscheint an der Schnittstelle von Sprachkunst und Lebenswelten. Sie reicht über die Normierung der Modi des informierenden Mitteilens, Überzeugens und Zurichtens hinein in die Bereiche der Ethik, der Macht und der Wissenspolitik.
Die ars bene et recte dicendi erweist sich als polyvalentes System, über das Datenmengen erfunden und beherrscht, Subjekte mündig gemacht und unterworfen werden, kommunikatives Handeln ermöglicht und normiert sowie Wissen erzeugt und strukturiert wird. Das Proseminar will diese Vielseitigkeit der Rhetorik als ästhetische Theorie, kulturelle Praktik und epistemisches Programm untersuchen.
Zur vorbereitenden Lektüre:
- Aristoteles: Rhetorik. München 1995.
- Roland Barthes: Die alte Rhetorik.
in: Roland Barthes: Das semiologische Abenteuer. Frankfurt am Main 1988, S. 15-101.
- Hans Blumenberg: Anthropologische Annäherungen an die Aktualität der Rhetorik.
in: Hans Blumenberg: Ästhetische und metaphorologische Schriften. Herausgegeben von A. Haverkamp. Frankfurt am Main 2001, S. 406-431.
- Michel Foucault: Sprechen.
in: Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt am Main 1974, S. 114-165.
|