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17008 Hauptseminar
Wahrnehmung und Kognition in (literarischen) Texten des europäischen Mittelalters
Die bis zum Einsetzen des Cartesianismus einerseits, des Empirismus andererseits in Europa dominierende aristotelische Epistemologie bindet alle Kognition an die Sinneswahrnehmung, zumindest soweit die Dinge dieser Welt betroffen sind. Andererseits sind die Sinne unter christlichen Auspizien unvermeidlich das Einfallstor des sündhaften Begehrens. Diese zwiespältige Bewertung von Sinnen und Sinneswahrnehmung hat Auswirkungen so die Hypothese, der dieses Seminar zunächst folgen soll auf die in diesen Zeiten entstehenden literarischen Texte. Dies gilt keineswegs nur für die Inhaltsebene, sondern auch für die aus moderner Sicht zuweilen frappierende Form klassischer Texte des Mittelalters.
Das Seminar ist komparatistisch angelegt. Es soll sich unter der skizzierten Perspektive mit zentralen romanischen Texten der Epoche (Boccaccio, Decameron; Roman de la rose; Arcipreste de Hita; Arcipreste de Talavera), aber auch mit dem deutschsprachigen höfischen Roman sowie bei Interesse der Hörer mit englischen Texten beschäftigen.
Die Veranstaltung richtet sich gleichermaßen an Studierende der AVL und der Romanistik. Es gelten die üblichen Bedingungen für die Scheinvergabe. Eine erste Einführung in die Problematik bietet R. Harvey: The Inward Wits. Psychological Theory in the Middle Ages and the Renaissance, London 1975.
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