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31053 Vorlesung
Totalitäre Ästhetik
Die Diskussion um die Stelle von stalinistischer und faschistischer Kunst innerhalb einer Gesamtgeschichte der ästhetischen Moderne bricht nicht ab. Agitation zum Glück, Tyrannei des Schönen, Traumfabrik Kommunismus, Musen der Macht so lauten die Titel retrospektiver Ausstellungen und Publikationen, die eine überwältigungsästhetische und manipulationistische Praxis in Kunst, Film, Fotografie, Literatur, Architektur rekonstruieren und die kollektiven Faszinationspotentiale als Existenzbedingung dieser Systeme neben dem Terror erhellen.
Die Vorlesung will, konzentriert auf Beispiele aus den genannten Bereichen, versuchen, die Problematik eines Begriffs totalitärer Ästhetik zwischen radikaler Militarisierung der Künste und aggressiver Ästhetisierung von Lebenswelten (Alltag, Politik, Arbeit, Krieg) zu entfalten. Sie will sich des weiteren der intensiv diskutierten Frage nach dem Verhältnis von avantgardistischem Utopismus und stalinistischem Demiurgismus widmen, sie will schließlich unter Berücksichtigung medienhistorischer Aspekte die Frage nach dem Bedingungszusammenhang von technischer Innovation einerseits und archaisierenden Tendenzen auf der Ebene der symbolischen Repräsentation andererseits stellen.
Im Mittelpunkt wird die stalinistische Kultur der 30er Jahre stehen mit vergleichenden Blicken besonders nach Deutschland. Schwerpunkte bilden: der Roman als Supergattung der Epoche, der neue Mensch im Spannungsfeld von Wissensdispositiven und Heldenmythologie, die Körperästhetik des Stalinismus, emblematische Ikonographien und Narrative der sowjetischen Welt (die Flieger, die Stachanov-Arbeiter, die Führer, die Rettung der Celjuskin-Expedition aus dem arktischen Eis, der Bau des Belomor-Kanals), die Fiktionalisierungen imperialer Raumkonzepte (Moskau als städtischer Text und literarischer/künstlerischer Topos; die Grenze), der stalinistische Film als Beispiel einer Mythologisierung der Bilder, die Monumentalästhetik des öffentlichen Raums (Skulptur und Architektur).
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