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Tutorium zum Modul AVL 111a – 16400 Grundkurs
Ariane Breyer
"Das ächt absoult Reele" - Schlegels Athenäumsfragmente
Montag, 12-14 Uhr Habelschwerdter Allee 45, JK 26/139
Im Zentrum des Tutoriums zum Grundkurs ‚Narcissus und Echo’ stehen die Athenäumsfragmente Friedrich Schlegels, die im Seminar selbst nur kursorisch behandelt werden. In der Literaturtheorie der Frühromantik avanciert das Narciß-Motiv zum Modell für ein ästhetisches Verfahren literarischer Texte. Diese werden jedoch nicht – wie es seit Platon jegliche mimetische Kunstkonzeption getan hat – mit Blick auf ihre Fähigkeit zur Repräsentation von Wirklichkeit betrachtet; das Schlegel’sche Postulat einer Transzendentalpoesie zielt auf eine Dichtung, die zugleich die Bedingungen ihrer Produktion reflektiert, also eine Art literarischer Selbstbespiegelung vollzieht. Der Literatur wird damit erstmals ein dem begrifflichen Denken der Philosophie überlegenes kognitivesPotential zugesprochen; Novalis definiert Poesie daher - kaum elegant, aber einprägsam - als „das ächt absolut Reelle“.
Anhand der Fragmente und ergänzender poetologischer Texte sollen zentrale Gedanken der frühromantischen Literaturtheorie nachvollzogen werden. (Wie läßt sich die Aufwertung des Fragments als Effekt der Inkohärenz und Zusammenhanglosigkeit in den Universalitätsanspruch der Romantiker integrieren? Was zeichnet die - nicht im Sinne der Rhetorik verstandene – romantische Ironie aus? Was genau ist Transzendentalpoesie? ... )
In den 60ern formuliert Michel Foucault die These, dass sich Literatur nach 1800 in einem Prozess permanenter Selbstbespiegelung befände. Damit führt er den romantischen Gedanken der Selbstreflexivität als Beschreibungskriterium moderner Literatur fort. In der Lektüre eines oder zweier Texte des 20. Jahrhunderts soll deren Anschlußfähigkeit an romantische Positionen überprüft werden (z.B. Kafka, Borges, Beckett, Robbe-Grillet, Textauswahl demokratisch).
Als Begleitprogramm zum Grundkurs will das Tutorium zudem, wo immer dies den Teilnehmern erforderlich scheint, an das Seminar anknüpfen, um Begriffe zu klären, theoretische Ansätze zu diskutieren oder prüfungsrelevante Themen zu besprechen. Außerdem soll es in die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens einführen (Bibliographieren, Zitieren, Referate, usw.).
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