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Modul AVL 111b 16401 Grundkurs
Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Mittwoch, 14-16 Uhr Habelschwerdter Allee 45, JK 28/112
Beginn: 19. Oktober 2005
maximal 35 Teilnehmer
In zahlreichen Verwandlungen erscheinen Tränen in den Metamorphosen Ovids. Die Beziehung von Tränen und Dichtung wird facettenreich in unterschiedlichen Mythen entfaltet, die durch die spätere Literatur hin gegenwärtig sind. Der Figur der fließenden Trauer und ihren unterschiedlichen poetologischen Funktionen soll zu Beginn der Einführung in einer textnahen Lektüre von Teilen des ovidschen Textes nachgegangen werden. Daneben werden auch die homerischen Tränen des Odysseus und des Achill, sowie die christlichen der Magdalena zur Sprache kommen.
Die Frage nach dem Verhältnis von Gabe der Tränen und Gabe der Poesie oder der Literatur durchzieht, nicht selten in Referenz auf die antiken Vorlagen, auch die Texte des 17. bis 20. Jahrhunderts, die anschließend gelesen werden sollen. Das als authentisch geltende körperliche Zeichen seelischer Bewegung ist eine scheinbar unwillkürliche Reaktion, spielt als Figur des Pathos jedoch einen durchaus aktiven und facettenreichen Part in der Semantik der Passion. In der Lektüre literarischer Tränen lassen sich, begleitet von der Lektüre theoretischer Texte, literarhistorische, psychoanalytische, literaturtheoretische, kulturgeschichtliche und gendertheoretische Fragestellungen entfalten und so unterschiedliche Zugangsweisen zu Literatur erproben.
Die definitive Auswahl der Texte wird die Wünsche der Seminarteilnehmenden berücksichtigen.
Dem Einführungskurs ist ein Tutorium zugeordnet.
Zur Einführung:
- Ovid, Metamorphosen (zahlreiche Ausgaben)
- D. Kimmich u.a. (Hg.) Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, Stuttgart (Reclam) 2003.
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