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16440 Proseminar
(es können Pro- wie auch Hauptseminarscheine erworben werden)
Avantgarden des 20. Jahrhunderts: John Cage. Eine Einführung
Freitag, 14-16 Uhr Habelschwerdter Allee 45, KL 29/111
Beginn: 21. Oktober 2005
Mit seinen Kompositionen, Hörstücken und Texten hat John Cage (1912-1992) die ästhetische Praxis und Reflexion der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Cages Schaffen ist gekennzeichnet durch den Abschied von der Ästhetik des ‚Werks‘; durch den Versuch, die künstlerischen Hervorbringungen und das ‚Leben’ in neuer Weise aufeinander zu beziehen (z. B. in Gestalt der performance); durch die Arbeit mit dem Zufall als strukturierendem Prinzip; schließlich durch eine eigenwillige Haltung dem Material gegenüber. Diese Haltung zeigt sich etwa an den Verfahren der Texterzeugung und Sprachbehandlung. So arbeitet Cage in seinen literarischen Experimenten daran, die konventionelle Syntax aufzulösen (sie zu ‚entmilitarisieren’: gr. ‚syntaxis’ – ‚Schlachtordnung’), um eine Eigenbewegung der Wörter, Silben und Laute freizusetzen. Damit wird die Annahme, es gäbe in den Sprachgebilden etwas zu verstehen, fragwürdig: Die Texte verweigern sich den an sie herangetragenen Sinnzumutungen.
Im Seminar wird es darum gehen, Cages Konzeptionen nachzuvollziehen und sie ins Verhältnis zu den großen Avantgarden des 20. Jahrhunderts zu setzen.
Zur Vorbereitung bitte ich um eine Orientierung über Cages Schaffen, am besten an Hand der Biographie von David Revill:
- The Roaring Silence. John Cage: A Life, New York - London 1992 (dt.: Tosende Stille. Eine John-Cage-Biographie. Aus dem Englischen von Hanns Thenhors-Esch, München - Leipzig 1995).
Nützlich ist ferner eine der neuesten Veröffentlichungen zu Cage:
- Klaus Reichert: „Musik und Poesie im 20. Jahrhundert“, in: Hermann Danuser (ed.): Musikalische Lyrik. Teil 2: Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart – Außereuropäische Perspektiven [= Handbuch der musikalischen Gattungen, Bd. 8.2], Laaber 2004, S. 319 – 329.
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