|
16450 Hauptseminar
Literarische Ethnographie im 20. Jahrhundert
Material
Donnerstag, 12-14 Uhr Habelschwerdter Allee 45, KL 29/235
Beginn: 20. Oktober 2005
Seit der durch James Clifford und George E. Marcus in den 80er Jahren initiierten Debatte über die Poetik und Politik der Ethnographie, wie der Untertitel des Bandes Writing Culture lautet, ist der literarische Charakter ethnographischer Texte zum Gegenstand auch literaturwissenschaftlicher Analysen geworden.
Die spezifisch literaturwissenschaftlichen Fragen, die sich an ethnographische Texte stellen lassen, betreffen die Gattung (Tradition der Reiseliteratur oder des Tagebuchs), die narrativen und rhetorischen Strategien, die Verfahren des effet de réel, die Erzählperspektive und die Intertextualität mit rein literarischen imaginären Ethnographien.
Besonders interessant sind dabei Autoren, die als Grenzgänger zwischen Literatur und Ethnographie operieren: Literaten, die nach Aufenthalten in einer anderen Kultur ethnographische Romane schreiben, und Ethnographen, die mit literarischen Verfahren experimentieren, um dem Gegenstand ihrer Forschungen und den Erfahrungen im Feld besser gerecht zu werden.
Die wichtigsten literarischen Charakteristika und kulturwissenschaftlichen Implikationen dieser hybriden Texte sollen im Seminar an einer Reihe von klassischen Werken erarbeitet werden:
dazu gehören
- Victor Segalen, Les Immémoriaux (1925)
- Michel Leiris, L'Afrique fantôme (1934)
- Antonin Artaud, Les Tarahumaras (1937)
- Claude Lévi-Strauss, Tristes Tropiques (1955)
- Carlos Castaneda, The Teachings of Don Juan (1968)
- Hubert Fichte, Xango (1976)
- Jeanne Favret-Saada, Les mots, la mort, les sorts. La sorcellerie dans le Bocage (1977)
und, warum nicht, der Bestseller von Nigel Barley The Innocent Anthropologist (dt. Traumatische Tropen, 1986/1995).
Weitere (oder andere) Texte können nach Interessen der TeilnehmerInnen in das Programm aufgenommen werden.
Das Seminar wendet sich an Studierende der AVL und der Französischen Philologie.
|