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16451 Hauptseminar

Irene Albers

Cadalsos "Cartas marruecas" und die Gattung der "Persischen Briefe"

Material

Freitag, 12-14 Uhr
Habelschwerdter Allee 45, JK 28/112

Beginn: 21. Oktober 2005


Welche Beobachtungen macht ein marrokanischer Reisender im Spanien des 18. Jahrhunderts? Wie erscheinen ihm die Sitten und Gebräuche der Spanier, ihre Geschichte, ihre Literatur, ihr „carácter nacional“? Cadalsos (1741-1782) zuerst 1789 veröffentliche Cartas marruecas – das bekannteste fiktionale Prosawerk der placeischen Aufklärung – stehen in der Tradition der Lettres persanes von Montesquieu (1721): Durch die Fiktion eines fremden Blicks wird es möglich das kulturelle, literarische, soziale und politische Leben des eigenen Landes aus kritischer Distanz zu betrachten und Mißstände aufzudecken. Dabei ging es Cadalso in seiner placeischen Antwort auf die Lettres persanes zugleich darum, der „leyenda negra“, dem negativen Bild eines rückständigen und dekadenten Spaniens, entgegenzutreten. So ist der Konflikt zwischen Traditionalismus und Fortschritt eines der wichtigsten Themen des fiktiven Briefwechsels.

Wir werden das Werk in gemeinsamer Lektüre erschließen und dabei einerseits nach den rhetorischen Verfahren und den Eigentümlichkeiten der Gattung (Erzähltechniken, Briefroman, Perspektivismus und Verfremdung) fragen, andererseits nach den literarhistorischen und historisch-ideologischen Kontexten des Werkes (das literarische Motiv des außereuropäischen Beobachters und seine Geschichte, Bezug zu den Lettres persanes, Konkurrenz zweier Spanienbilder, Sonderrolle Spaniens im Kontext der europäischen Aufklärung). Anschließend werden wir uns (auch nach Interessen der Teilnehmer) mit weiteren Texten nach dem Modell der „Persischen Briefe“ befassen.

Das Seminar wendet sich an Studierende der AVL und der Spanischen Philologie. Spanischkenntnisse werden vorausgesetzt.

Empfohlene Textausgabe:

  • José Cadalso, Cartas marruecas/Noches lúgubres, hg. von Joaquín Arce, Madrid: Cátedra 1995.


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