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17045 Proseminar (Nachtrag)
Philipp Jeserich
Montaigne: Essais
Mittwoch, 10-12 Uhr Habelschwerdter Allee 45, KL 29/239
Beginn: 19. Oktober 2005
In den Essais Michel de Montaignes (1533-1592) verbindet sich die hintersinnige Glossierung politischer, historischer, philosophisch-theologischer, auch ästhetischer Sujets in für die Neuzeit paradigmatischer Weise mit dem literarisch vermittelten Selbstbezug ihres Verfassers. Reflexionen zum Wesen des Menschen, zum Verhältnis von Natur und Kultur, von individuellem Glücksstreben und öffentlicher Verantwortung, zur Verbindlichkeit der Moral und zum Wesen der Religion stehen neben Fragen der individuellen Lebensgestaltung, der Freundschaft, der Haushaltsführung und Kindererziehung, der Sexualität und Hygiene.
Der Diversität der Inhalte entspricht die mäandernde Form – die Essais Montaignes entstehen aus der Spannung zwischen adeligem Standesbewußtsein und der humanistisch akzentuierten Vorbildlichkeit der Antiken einerseits, dem Bewußtsein von Pluralität, Kontingenz und Relativität, der aufmerksamen Dokumentation des unsteten Ich als prekärem Bezugspunkt andererseits.
Im Rahmen des Seminars sollen die Essais erkundet und dabei gerade solche Brüche und Spannungen aufgesucht werden, denen symptomale Qualität für die Situation Frankreichs und Europas in Renaissance und früher Neuzeit eignet.
Der Besuch des Proseminars setzt die abgeschlossene Einführung in die französische Literaturwissenschaft voraus, es richtet sich gleichermaßen an Studierende der Romantistik und der AVL. Für die Scheinvergabe gelten die üblichen Konditionen.
Textgrundlage und zur Anschaffung empfohlen wird die Ausgabe Michel de MONTAIGNE: Les essais, hrsg. von Jean Céard u. a., Paris: L.G.F. 2001 [Le Livre de poche - Classiques modernes]; zur Vorbereitung bietet sich an Hugo FRIEDRICH: Montaigne, Tübingen – Basel: Francke 31993.
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