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31702 Proseminar

Barbara Wurm und Anke Hennig

Sehschulen, Zeigemaschinen, Zeitdokumente. Russische Kinoreflexion der 20-er Jahre

Donnerstag, 12-14 Uhr, sowie Block
OEI, Garystr. 55, Hs B

Beginn: 20. Oktober 2005


In den sowjetischen 1920er Jahren etablierte sich – neben und gemeinsam mit der Literatur- und Kunsttheorie - eine schriftliche und filmische Auseinandersetzung mit dem medialen Potenzial der Kinematographie, der zwar vielversprechendsten, doch unerprobtesten der 'Künste'.

Im Zuge der Spezifizierung bewegt sich die Kinoreflexion zwischen einer Schulung des Sehens an der Gegenstandslosigkeit der avantgardistischen Abstraktion, einer Verdinglichung der Wahrnehmung (Lev Kulešov) und ihrer Verfremdung im „Neuen Sehen“ (Viktor Šklovskij) der formalistischen Filmpoetik. Maschinelles und mediales Sehen (Dziga Vertovs Kinoauge; Lilja Briks Glasauge) vermitteln sich im 'Zeigen' und verbinden den Blick des Dokumentarischen mit der Entwicklung einer „Filmsprache“ und einer „Filmschrift“.

Die Montage steuert nicht nur Wahrnehmung und Vorstellung („Filmbewusstsein“ bei Sergej Ėjzenštejn), Bild und Bewegung („Intervall“ bei Dziga Vertov), sondern vermittelt auch das Dokument und seine Zeit - die avantgardistischen Zeitmontagen reichen von der Konzeption einer Bildvergangenheit in der Chronik (Ėsfir Šub), über die Asynchronie des Bewegungsbildes in der „Großaufnahme der Zeit“ (Vsevolod Pudovkin) bis zur Utopie einer universalen Gleichzeitigkeit (Dziga Vertov).

Es sollen aber auch ästhetische Projekte diskutiert werden, die die Seh-, Zeige- und Zeitfunktion des Kinos weniger unter 'avantgardistischen' bzw. 'künstlerischen' Prämissen reflektieren, sondern als Teil psychophysiologischer sowie sozial-, geo- und biopolitischer Diskurse.

Erforderlich sind aktive Teilnahme, Referat oder eine andere Form der Aufbereitung eines Themas sowie Hausarbeit. Russischkenntnisse erwünscht. 4 Einzelsitzungen und 2 Blockveranstaltungen.


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