Frank Günther
Frank Günther (geb. 1947) war nach einem Studium der Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte als Regieassistent und Regisseur an mehreren Theatern tätig. Bereits während seiner Theatertätigkeit übersetzte er neue und alte dramatische Werke ins Deutsche. Seit den 1970er Jahren übersetzt er das Gesamtwerk von William Shakespeare. 1995 erschienen die ersten Übersetzungen bei dtv, seit 2000 erscheint eine bibliophile Ausgabe im Verlag ars vivendi. 2009 soll der letzte von insgesamt 39 Bänden erscheinen. Damit wäre Günther der erste, der alle Werke Shakespeares allein ins Deutsche übersetzt hat. 2001 erhielt er den Christoph-Martin-Wieland-Preis für Übersetzer, der nach dem ersten deutschen Shakespeare-Übersetzer Wieland benannt ist, 2006 den Übersetzerpreis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung.
Das Seminar, das Frank Günther an der Freien Universität anbieten wird, trägt den Titel „Der Geschmack der Wörter: Von der Ratio des Reims zur Poesie des Kalauers“. Hier sollen, so Frank Günther, formale und rhetorische Strukturen von Dramentexten als „niedergeschlagener Inhalt“ im Mittelpunkt stehen, und es soll untersucht werden, mit welchen „verwandelnden Sprachstrategien“ Übersetzer solche Effekte in ihrer jeweiligen Zielsprache von neuem hervorbringen.
- 16 420 HS Der Geschmack der Wörter: Von der Ratio des Reims zur Poesie des Kalauers
Do 10-12 Uhr Beginn: 18. Oktober 2007
Habelschwerdter Allee 45, KL 29/207
Elemente der "gebundenen Sprache" eines klassischen Dramas gelten gemeinhin als "formal": Vers, Reim, Rhythmus, Rhetorik und Wortspiele gehören nach jener Auffassung, die "Form" und "Inhalt" meint trennen zu können, nicht zu den gewichtigen semantischen Aussagen eines Textes. Wir wollen anhand mehrerer Shakespeare-Dramen untersuchen, inwieweit solcherlei scheinbar formale Textstrukturen "niedergeschlagener Inhalt" sind; und wir wollen "komparierend" erforschen, mit welchen verwandelnden Sprachstrategien einzelne Übersetzer solche originalsprachgebundenen Elemente in ihrer Zielsprache wiederzugebären versuchen, und wie sich folglich von Fall zu Fall der "Inhalt" verändert. (Dies kann, je nach Zusammensetzung des Seminars, auch Übersetzungen Shakespeares ins Französische, Italienische oder Spanische streifen.)
Da das poetische Literaturübersetzen ein Handwerk ist, das sich dem Drüber-Nachdenken alleine nicht erschließt, werden wir auch praktisch Strategien erproben, Unübersetzbares übersetzbar zu machen: Die erste Szene aus "Merry Wives of Windsor" als gemeinsames Semesterprojekt. Untersuchen werden wir Shakespeares "A Midsummernight's Dream", "Romeo and Juliet" und "Hamlet", unter möglicher Hinzuziehung von Texten und Gedichten von Tom Stoppard, Wilhelm Busch, Christian Morgenstern, Robert Gernhardt und Rainer Maria Rilke – im Original und in Übersetzung.
Empfohlen wird die Arden-Ausgabe der genannten Shakespeare-Dramen, die Reclam-Ausgabe der einsprachigen Shakespeare/Schlegel-Ausgabe, zur Übersicht das Shakespeare-Handbuch von Ina Schabert sowie die Webseite
http://web.archive.org/web/20001211113500/www.deslit.de/shakespeare/vorwort.htm
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