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Konzept
Folgende Felder könnte man für eine intensivere Diskussion ausgliedern: 1. Manipulieren: Hand-Zeichen und Poiesis [«] Nicht erst seitdem der Diskurs der Virtualität Hochkonjunktur hat, wird der Hand eine konstitutive Rolle in der Genese des ästhetischen Artefakts abgesprochen. Die Verdrängung der Hand aus den Prozessen des Erzeugens ist ein Topos, den die Medienwissenschaft mindestens seit der Durchsetzung typographischer Reproduktionstechniken ansetzt. Die neuzeitliche Geschichte von Text- und Bildproduktion verläuft in dieser Perspektive von Anfang an unter dem Vorzeichen der A-Manufakturalität. Doch die kulturgeschichtliche Konstante eines Misstrauens gegenüber dem Manufaktum wird durch Strömungen unterlaufen, welche die manuellen Prozesse des Machens, des Verfertigens, des Erzeugens dezidiert in den Vordergrund rücken. Auf verschiedenste Weise werden hier die häufig unterschlagenen Verfahren der Handhabung und des Machens fokussiert und zugleich die artefaktische Eigenqualität des - literarischen, bildlichen, skulptierten – Objekts in seiner physisch-sensuellen Materialität herausgestellt. Ein solcher Zugriff auf das Artefakt kann Versuch sein, über einen Elementarismus des Dings in vortechnische oder gar vorkulturelle Werkkonzepte zurückzugehen. Er kann aber auch die Hand bewusst als Werkzeug der Manipulation profilieren. Manipulation steht hier ganz im Doppelsinn seiner Verwendungsweise im Bereich des Handhabbaren, des Manuellen oder gar Manufakturellen wie auch im Bereich der subtilen Veränderbarkeit, des Gefügigmachens, der objektivierenden Verdinglichung und Steuerung, der autoritären Aneignung und Dressur, des Arrangements und der technischen Umformung. Das Kunst-Hand-Werk wäre hier zwischen den Polen Kunstschaffen und Technologie, Ästhetik und Technik, Artistik und Mechanik, oder auch zwischen den Polen des Poietischen und Fabrizistischen zu diskutieren. 2. Berühren: Hand-Zeichen und Perzeption [«] Die Hand als Werkzeug des Erzeugens führt ein Element der Taktilität in das Kunstwerk hinein. Das Manu-Faktum fordert Formen der Aufmerksamkeit, des Berührens und Sich-Berühren-Lassens, der Ansteckung, die jenseits rein semiotischer Dechiffrierungsakte liegen, und gestaltet damit die Bedingungen ästhetischer Erfahrung um. Eine taktile Ästhetik des Werks heißt, die körperliche Präsenz und die propriozeptische Wahrnehmung als Variable in die Ordnungen des ästhetischen Denkens einzuschleusen. Und mehr noch zu beobachten, wie symbolische Ordnungen und aisthetische Dimensionen interferieren. In den provokativsten neuen Tendenzen einer Theorie der Aisthesis wird dabei eine durchaus schwierige Apologie der Sinne als Rehabilitationsprojekt von präsentischer Nah-Erfahrung des Objekts betrieben. Interessant werden diese Ansätze dort, wo sie nicht nur auf repräsentationsresistenten Materialitäten und A-Medialitäten insistieren, sondern wo sie das phantasmatische Überspringen des Objekts ermöglichen, das sie zuallererst herauspräparieren. Sie verharren nicht in der ‚taktischen' Schließung dessen, was zwischen entfremdeter Erfahrung und ästhetischem Objekt aufklaffen würde, sondern zielen auf eine neue Sensibilisierung für die Zwischenräume zwischen Perzipient und Objekt. 3. Zeigen: Hand-Zeichen und Deixis [«] In der Hand schließen sich nicht nur die Akte des Bauens und des Berührens zusammen, die Hand erfüllt vor allem auch eine De-Monstranzfunktion. Das Hand-Zeichen zeigt als Instrument der Deixis zunächst auf zwei Aspekte: Es verweist zum einen auf das (heideggerianische) Modell der ursprünglichen Verbindung des Zeichens mit dem Zeigen und der Hand. Zum zweiten zielt es auf die vernachlässigte Spezifik indexikalischen Bezeichnens. Konzentriert sich eine semiotisch unterfütterte Theorie der Literatur und der Bildenden Künste bisher vor allem auf die Zeichentypen des Ikons – im Sinne einer Bildlichkeitsillusion von Text und Bild, die ihre mediale Verfasstheit überspielt – oder aber des Symbols – im Sinne einer Herausarbeitung der Arbitrarität jeglicher darstellenden Bezugnahme -, so blieb die Beschäftigung mit dem Index fast gänzlich ausgespart. Dabei ist gerade der Index mittels seiner Kontiguitätsbeziehung zu den Dingen, seiner Berührungsrelation als Abdruck und Negativform, seiner zugleich körpergebundenen und doch losgelösten Relationierung in höchstem Maße aufschlussreich für Schaffens- und Wahrnehmensprozesse, die sich in der Ambivalenz von Distanz und Nähe, Präsenz und Absenz, Perzeption und Imagination, aisthemata und phantasmata abspielen. Das indexikalische Zeichen erweist sich dabei zusätzlich gespalten/gedoppelt: es ist eines, das sowohl zeigt als auch eines, das sich zeigt. Es ist nicht nur referentiell, sondern vor allem auch reflexiv.
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