Alexander von Humboldt (Forschungs- und Editionsprojekt)
Am Peter Szondi Institut für AVL wird das Werk Alexander von Humboldts erforscht. In vollständigen, philologisch edierten Ausgaben werden wichtige Bücher des Wissenschaftlers und Reiseschriftstellers zugänglich gemacht.
Im 200. Jahr nach der Rückkehr von seiner großen Amerika-Reise erschienen im September 2004 zwei Arbeiten Alexander von Humboldts (zum 20jährigen Jubiläum der von Hans Magnus Enzensberger geleiteten Buchreihe ‘Die Andere Bibliothek‘), herausgegeben von Oliver Lubrich und Ottmar Ette (Universität Potsdam): Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas und Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung. Die Edition fand in der deutschen Öffentlichkeit ein breites Echo. 2006 folgte die Ausgabe der Texte, die Alexander von Humboldt zu seiner legendären Besteigung des Chimborazo verfaßte, einschließlich der ersten vollständigen Übersetzung des Tagebuches.
Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas.
Deutsche Erstausgabe. Originaltitel: Vues des Cordillères et Monumens des Peuples Indigènes de l’Amérique.
Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer.
Herausgegeben von Oliver Lubrich und Ottmar Ette.
Folio-Format, 450 Seiten mit 69 Tafeln, davon 20 ausklappbar, fünffarbig auf 100g/m2 Gardapat-Bilderpapier gedruckt, Fadenheftung, zwei Lesebänder, in dschungelgrünes Calicut-Leinen gebunden, Schutzumschlag.
Frankfurt am Main: Die Andere Bibliothek 2004 (zweite Auflage: November 2004).
Dieses vielseitige Werk, wahrscheinlich sein schönstes, zeigt Alexander von Humboldt auf der Höhe seiner Möglichkeiten als Entdeckungsreisender, Naturwissenschaftler, Historiker und Anthropologe. In 69 Essays, die sich auf jeweils zugeordnete Bildtafeln beziehen, die zumeist nach seinen eigenen Skizzen entstanden sind, setzt sich Alexander von Humboldt mit den indigenen Kulturen des spanischen Amerika sowie mit deren natürlicher Lebensumwelt auseinander. Seine Themen sind: Rituale, Mythen und Kalendersysteme, Schmuck und Kleidung, Architektur und Kunst, Eroberungszüge und Völkerwanderungen, die Grausamkeiten der Spanier und die Vernichtung der präcortesianischen Reiche sowie die Landschaften und die Pflanzenwelten Lateinamerikas. Humboldts Werk sprengt die Grenzen einzelner Disziplinen. Als einer der ersten erkannte er, daß die altamerikanischen Zivilisationen ebenso zum Erbe der Menschheit gehören wie die der Ägypter, der Inder, der Griechen und der Römer. Mit seiner sprachlichen Originalität und dem Reichtum seiner Illustrationen lädt dieser Band zum Besuch eines imaginären Museums ein, in dem Bilder und Texte einander wechselseitig erhellen und die Kulturen der Welt miteinander in einen vielstimmigen Dialog treten.
Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung.
Herausgegeben von Ottmar Ette und Oliver Lubrich.
Folio-Format, 944 Seiten, zweifarbig schwarz und rot auf 80g/m2 holz- und säurefreies Bücherpapier gedruckt, Fadenheftung, zwei Lesebänder, in Kosmos-Leinen gebunden.
Mit dem Physikalischen Atlas von Heinrich Berghaus mit 90 Tafeln im Original-Kolorit, im Schuber.
Frankfurt am Main: Die Andere Bibliothek 2004 (zweite Auflage: September 2004, dritte Auflage: Mai 2006).
Die Idee zu seinem großangelegten Kosmos beschrieb Alexander von Humboldt – durchaus ironisch – wie folgt: „Ich fange den Druck meines Werkes (des Werks meines Lebens) an. Ich habe den tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Moose auf den Granitfelsen wissen, alles in Einem Werke darzustellen, und in einem Werke, das zugleich in lebendiger Sprache anregt und das Gemüth ergötzt.“ Der deutsche Naturforscher läßt Muschelverkalkungen und Sternschnuppen vom Ursprung der Welt erzählen, er berichtet von fernen Kometen, von der Natur der Tropen und des Eismeers. Humboldt stellt Fragen, die heute wie damals faszinieren: Wie kann man die Wissenschaften zusammen denken, anstatt sich in ihren einzelnen Abteilungen einzurichten? Welche ästhetischen Erfahrungen bietet die Natur? Wie setzen sich die Menschen mit ihr in der Kunst auseinander – in der Literatur, in der Malerei, im Gartenbau? Wie erweiterte sich das Verständnis der Welt über die Jahrhunderte? Warum ist der Himmel blau? Wohin bewegt sich unser Sonnensystem? Wie verändern technische Erfindungen und neue Medien unser Verständnis der Welt? Wie funktioniert ein Vulkan? Wer entdeckte Amerika vor Kolumbus? Und viele andere…
Humboldts Gegenentwurf zur ‘Heiligen Schrift‘ war in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ein veritabler Bestseller und wurde zur ‘Bibel‘ nicht nur des europäischen Bildungsbürgertums. Seinen populärwissenschaftlichen “Kosmos-Vorträgen“, welche die Keimzelle des Werkes bildeten, folgte einst halb Berlin – vom Arbeiter bis zur Hofgesellschaft. Die Erstausgabe ist 1845 bis 1862 in fünf Bänden bei Cotta in Tübingen erschienen. Die Neuedition rekonstruiert den Humboldtschen “Ur-Kosmos“. Sie befreit den Text von posthumen Bearbeitungen und Erweiterungen, während sie sämtliche vom Autor selbst vorgenommenen Korrekturen und Zusätze berücksichtigt. Es handelt sich um die erste vollständige Neuausgabe seit dem neunzehnten Jahrhundert, die dieses “Buch von der Natur“ tatsächlich in einem Band, “die ganze Welt in einem Buch“ zugänglich macht (und zudem erstmals ein ursprünglich als Ergänzung erarbeitetes Kartenwerk integriert).
Ueber einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen.
Herausgegeben von Oliver Lubrich und Ottmar Ette.
Mit zahlreichen Abbildungen und Faksimile-Seiten nach dem Original des Tagebuches vom Chimborazo, 1802. 200 Seiten.
Eichborn Berlin 2006 (zweite Auflage: Dezember 2006).
Die Besteigung des Chimborazo im Jahr 1802 machte Alexander von Humboldt weltberühmt. Obwohl es ihm nicht ganz gelungen war, tatsächlich den Gipfel des erloschenen Vulkans zu erreichen, den man seinerzeit für den höchsten Berg der Erde hielt, stellte der Reisende – ohne Sauerstoffgerät – einen bemerkenswerten Höhenrekord auf. Auf dem Höhepunkt seiner Unabhängigkeitsrevolution sah sich Simón Bolívar in Humboldts Fußspuren im andinen Schnee und überschaute einen befreiten Kontinent. Goethe fertigte eine Zeichnung an, die Humboldts Figur am Chimborazo unterhalb eines Kondors zeigt. Zahlreiche Schriftsteller verfaßten ihre Versionen des sagenhaften Ereignisses – von Madame de Staël bis zu Tankred Dorst, Eduardo Galeano und Daniel Kehlmann. Lange Zeit jedoch widerstand Alexander von Humboldt selbst der Versuchung, einen abenteuerlichen Bericht vorzulegen. Er wartete, bis sein Rekord keine Gültigkeit mehr hatte, und veröffentlichte schließlich einen ironischen Essay, in dem er die Bedeutung seiner Leistung herunterspielte. Bereits in seinem unveröffentlicht gebliebenen und hier erstmals vollständig in deutscher Übersetzung edierten Tagebuch hatte Alexander von Humboldt seine vermeintliche Heldentat und sein letztliches Scheitern am legendären Berg in höchst origineller Weise dargestellt...
Zentral-Asien.
Herausgegeben von Oliver Lubrich.
Nach dem französischen Original, Asie centrale, von 1843.
Ergänzt durch Reisebriefe Alexander von Humboldts und die Reiseerzählungen von Gustav Rose.
Mit zahlreichen Abbildungen und Faksimiles.
Erscheint demnächst im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.
Nach seiner Expedition durch das spanische Amerika (1799-1804) unternahm Alexander von Humboldt eine zweite Weltreise, die bislang weit weniger bekannt ist: durch das russische Asien, bis zur chinesischen Grenze (1829). Aus ihr ging eines der Hauptwerke des Berliner Wissenschaftlers hervor, das seit seinen Lebzeiten im deutschen Sprachraum nicht veröffentlicht wurde: Asie centrale (Zentral-Asien). Dieses neu zu entdeckende Buch ergänzt Humboldts Arbeiten über die 'Neue Welt' und bereitet sein spätes Großwerk Kosmos vor. Die abenteuerliche Reise führte quer durch Rußland und Sibirien bis nach China. Alexander von Humboldt beschreibt die Landschaften Asiens - Steppen, Berge, Höhlen, Seen; er führt seine Leser in den Ural und ans Kaspische Meer; er begegnet Tataren, Kirgisen, Kosacken und Mongolen, Bergwerksbesitzern und Leibeigenen, Befehlshabern der Grenzposten und polnischen Verbannten. Alexander von Humboldt arbeitete nicht allein, sondern mit einem Forschungsteam. Anders als im Fall der Amerika-Reise, deren Teilnehmer Aimé Bonpland oft übergangen wird, kommt in der Edition des Rußland-Werkes der Begleiter Gustav Rose zu Wort, der einen eigenen Bericht verfaßte. In den Briefen, die Alexander von Humboldt aus Sankt Petersburg, Kasan, Barnaul, Astrachan und von vielen weiteren Orten schrieb, werden unterschiedliche Facetten des Wissenschaftlers und Politikers, Schriftstellers und Wirtschaftsberaters, Diplomaten und Satirikers sichtbar.
Alexander von Humboldt in Literature and Culture
(Drittmittelprojekt)
Alexander von Humboldt (1769–1859) ist der bedeutendste deutsche Autor, dessen Werk der Beschreibung fremder Länder und der Auseinandersetzung mit kultureller Differenz gewidmet ist. Gleichwohl stand lange Zeit die Bekanntheit keines anderen ‘Klassikers‘ in einem deutlicheren Mißverhältnis zu der ihres Werkes. Dies gilt insbesondere für dessen kulturelle und literarische Dimension. Während der deutsche Kulturtheoretiker in Lateinamerika längst als Denker der Globalisierung und der Postkolonialität diskutiert wird, ist er insbesondere für die englischsprachige internationale Öffentlichkeit noch weniger erschlossen. Dabei ist gerade der polydisziplinäre, interkulturelle und polyglotte deutsche Reisende ein idealtypischer Fall für die aktuellen Fragestellungen der Cultural Studies und des Post-Colonialism. Während sich insbesondere die Literatur- und Kulturwissenschaften in Deutschland lange Zeit schwer taten mit dem vielschichtigen Werk des vermeintlichen Naturwissenschaftlers, haben internationale Schriftsteller sich von jeher intensiv mit Alexander von Humboldt beschäftigt. Im Projekt "Alexander von Humboldt in Literature and Culture" wird unter der Leitung von Oliver Lubrich (Peter Szondi Institut für AVL) und Rex Clark (University of Kansas) die Geschichte der literarischen und essayistischen Rezeption Alexander von Humboldts erarbeitet. Eine abschließende zweibändige Publikation im Verlag Berghahn Books (New York/Oxford 2008) präsentiert mehr als 120 Dokumente von Schiller, Goethe und Chamisso bis zu Jules Verne, Gabriel García Márquez und Daniel Kehlmann; von Cheateaubriand, Sarmiento und Darwin bis zu Robert Musil, Gottfried Benn und Hans Blumenberg. Das Projekt wird realisiert mit Unterstützung der Alexander von Humboldt Stiftung im Rahmen ihres TransCoop-Programms.
Alexander von Humboldt in Literature.
Herausgegeben von Rex Clark und Oliver Lubrich.
Oxford/New York: Berghahn Books 2008, ca. 320 Seiten.
(In Vorbereitung)
Alexander von Humboldt in Culture.
Herausgegeben von Rex Clark und Oliver Lubrich.
Oxford/New York: Berghahn Books 2008, ca. 280 Seiten.
(In Vorbereitung)
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de/presse/fup/archiv/pdw01/pdw_01_019.html,
http://www.humboldt-portal.de.
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