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Modul AVL 112a
16400 PS    Philipp Ekardt
Schrift/Bild/Avantgarden und Medientheorie vom späten 19. Jh. bis in die 30er hinein
Di 16.00-18.00 Uhr – Beginn: 15. April 2008
Habelschwerdter Allee 45, KL 29/111

An den Rändern der Schrift beginnt das Bild: ein typographischer Eingriff, der die Buchstaben über die Seite verstreut; das Übertreten einer Wahrnehmungsschwelle, jenseits derer die Lettern nicht mehr 'gelesen', sondern 'angesehen' werden; medientechnische Übersetzung, wenn die Schrift im Film figuriert; etc. Dies und Ähnliches galt wenigstens während der drei ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts, also jener Epoche, in der die so genannten traditionelle Formen der Kunst und Literatur eine Phase intensiver Infragestellung, Umformung und experimenteller Neuerfindung durchliefen, die man gewöhnlich als Periode der historischen Avantgarden bezeichnet. Das Seminar gibt einen ersten Überblick über die Vielfalt literarischer Praktiken, mit denen die Schrift zum Bild wurde, sowie über die Vielfalt künstlerischer Praktiken, mit denen die Lettern aufs Papier, auf die malerische Leinwand oder die des Kinos geholt wurden: von Mallarmés 'Un coup de dés...' und Apollinaires Kalligrammen, Lissitzkys und Majakovskijs 'Für die Stimme' über die Buchstabenbilder der Kubisten und Dadaisten bis zu den Manifesten und Lautgedichten des Futurismus etc.
Neben einer kurzen Einführung in Theorien der Avantgarde setzt der Kurs außerdem einen Schwerpunkt auf der Lektüre einer Reihe von medientheoretischen Arbeiten, die genau dieses Umschlagen von Schrift und Bild beschreiben wollen: ausgehend von den zeitgenössischen Überlegungen Walter Benjamins werden Texte von Marshall McLuhan, Jacques Derrida und Friedrich Kittler gelesen. Schließlich sollen auch jene kinematographischen Beispiele zum Zug kommen, die einem erweiterten Begriff der Schrift zugerechnet werden können, vor allem Sergei Eisensteins Theorie und Praxis einer Bilder-Schrift des Films.




 


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