|
Modul AVL 212b
16408 PS Johannes Windrich
Pathos von Homer bis Tolkien
Mi 16.00-18.00 Uhr Beginn: 16. April 2008
Habelschwerdter Allee 45, KL 32/123
Pathos genießt in der öffentlichen Wahrnehmung kein hohes Ansehen. Pathetisch ist für viele mehr oder weniger gleichbedeutend mit hochtrabend, schwülstig, unnatürlich oder gar verlogen. In der Literatur wie auch den übrigen Künsten scheinen pathetische Rede- und Darstellungsformen unwiderruflich vergangenen Zeiten anzugehören; wer sie wiederzubeleben versucht, kommt schnell in den Verdacht des Reaktionären (Handke, Schleef, Strauß). In anderen kulturellen Bereichen spielt Pathos eine umso größere Rolle. Ob in Hollywood, bei Konzerten, Politspektakeln oder in der Champions League, überall werden immer raffiniertere Mittel der pathetischen Inszenierung entwickelt, die Millionen Zuschauer aller Bildungsschichten in die Arenen und vor die Leinwände locken. Im Seminar werden wir untersuchen, wie es zu dieser Spaltung gekommen ist und wie sich das Verhältnis der Literaten zum Pathos über die Jahrhunderte hinweg verändert hat. Die Geschichte des Pathos – als literarisches Phänomen – soll ausgehend von seinen Anfängen in den Homerischen Epen und der griechische Tragödie rekonstruiert werden. Die Entwicklung in der Moderne betrachten wir anhand exemplarischer Texte von Lessing, Schiller, Kleist, Büchner und Nietzsche. Im Blick steht zugleich der massenkulturelle Umgang mit Pathos, z.B. in Tolkiens Bestseller The Lord of the Rings und seiner Verfilmung durch Peter Jackson. Unter den zahlreichen Studien, die in letzter Zeit zum Thema Pathos erschienen sind, halte ich folgenden Text für eine besonders geeignete Grundlage: Rainer Dachselt, Pathos. Tradition und Aktualität einer vergessenen Kategorie der Poetik, Heidelberg 2003.
|