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Modul AVL 322b
16417 HS   Maria Cornelia Zinfert
Identitäten: Literarische und fotografische Portraits
Mo 14.00-16.00 Uhr – Beginn: 14. April 2008
Habelschwerdter Allee 45, JK 29/124

"Es gibt in unserem Zeitalter kein Kunstwerk, das so aufmerksam betrachtet würde, wie die Bildnisphotographie des eigenen Selbst", schrieb der Kunsthistoriker Alfred Lichtwark im Jahr 1907, wie Walter Benjamin in seinem Aufsatz Kleine Geschichte der Photographie mitteilt. Unabhängig davon, ob die Fotografie eine Kunst sei oder nicht, gilt die Feststellung Lichtwarks wohl auch nach einem Jahrhundert noch. "Zeige deine Photographien einem anderen; er wird sogleich die seinen hervorholen und sagen: »Sieh, hier, das ist mein Bruder; das da, das bin ich als Kind« und so weiter"; mit diesen Worten beschreibt Roland Barthes in seiner Bemerkung zur Photographie Die helle Kammer eine allbekannte Situation.

Die geschilderte Faszination am fotografischen Abbild des Selbst hat sicher damit zu tun, dass bei aller Ähnlichkeit von einer Übereinstimmung gerade nicht die Rede sein kann. Wenn das fotografische Portrait schon von jeher das "Auftreten meiner selbst als eines anderen" war und dem Aufkommen der Fotografie die Epoche höchster Konjunktur des Doppelgängers vorausging, wie es bei Barthes weiter heißt, lässt sich nach den Spuren solcher Prägung in fotografischen Portraits des 20. Jahrhunderts fragen und nach deren direkten und indirekten Reflexionen in der Literatur. Die Diskussion wird sich vor allem ausrichten an Darstellungen und Selbstdarstellungen von Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Medien Fotografie und Text. Aus welchen Stereotypen sucht sich Identität zu konstruieren oder je schon auf ihre Dissoziation zu verweisen? Ist es nicht gerade äußerste Künstlichkeit, in der das Wesentliche unverstellt aufscheinen kann? In den Blick kommen dabei Konventionen des Portraits und literarischer Semi-Autobiographien: Samples multipler Identitäten im Übergang zu einer Epoche, in der das von Fotografien endlos Reproduzierte nicht einmal stattgefunden haben muss.

Material: Künstlerportraits des 19. und 20. Jahrhunderts (Nadar, Carl van Vechten, Cecil Beaton, Anton Corbijn u.a.), Portrait Übermalungen von Arnulf Rainer, die "Film Stills" von Cindy Sherman, Selbstdarstellungen von Martin Kippenberger u.a.

Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, Einsicht zu nehmen in Portraits der genannten Fotografen, Arbeiten der genannten Künstler und die oben genannten Texte.




Seminarplan als doc. Bibliographie als doc.

 


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