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Philipp Ekardt

Alexander Kluge, Chronist der Gefühle

Di 16.00-18.00 Uhr
KL 29/139

Beginn: 16. Oktober 2007

Das Seminar gibt eine Einführung in das Werk Alexander Kluges – heute vor allem wohl bekannt als Produzent seltsam sperriger Sendungen im Spätabendprogramm privater Fernsehsender, in denen starre Kameraeinstellungen, spärlich interpunktiert durch Zwischentiteleinblendungen in altmodischer Typographie, tatsächliche und dargestellte ‚Experten’ einfangen, die von der sanften aber beharrlichen Stimme des Produzenten aus dem off in immer hochtourigere Spekulationen über die Oper, Kafkasche Tiermetamorphosen, Luhmanns Systemtheorie, Benjamins Ansichten zum Film, Souveränität und Ökonomie im Dreißigjährigen Krieg, postmodernes Management oder die Informationsweitergabe in Körperzellen verwickelt werden. Kluge ist Denker, Filmemacher und nicht zuletzt Autor, und seine Karriere nahm vor mehr als vierzig Jahren ihren dreifachen Ausgang von einer Ausbildung zum Juristen, einem Studium bei Adorno und einer Hospitanz auf dem Set von Fritz Langs letztem Film. – Um seiner äußerst heterogenen Produktion gerecht zu werden, setzt die Veranstaltung einen Querschnitt durch die vielfältigen Genres, in denen Kluge arbeitet. Thematisiert werden Kluges Texte (entlang der Neuauflage seines Gesamtwerks, der Chronik der Gefühle) und Gespräche (v.a. die mit Heiner Müller), seine mit Oskar Negt verfassten theoretischen Schriften (v.a. Geschichte und Eigensinn), sein filmisches Werk (Die Patriotin, Die Macht der Gefühle, sein Beitrag zu Deutschland im Herbst), aber eben auch die Fernsehfeatures. Eines der leitenden inhaltlichen Interessen wäre dabei, Kluge beim Wort zu nehmen und ihn als einen Chronisten der Gefühle zu beschreiben, der in seinem Werk in verschiedenen Medien Chronologien und Geschichten der Erfahrung, der Emotionen und Affekte entwickelt, die von individuellen Überlebensstrategien, Reflektionen zur Geschichte des Gefühlsgenerators Oper bis zu evolutionstheoretischen Spekulationen reichen. Wir verfolgen, wie Kluge die Kritische Theorie, französische Differenzphilosophie und Luhmannsche Systemtheorie zu eigenen Zwecken umbaut. Wir versuchen, den Klugeschen Modus einer Wissensproduktion zu fassen zu bekommen, der beharrlich zwischen analytischem Interesse, theoretischer Spekulation und ungehemmter Fiktionalisierung schwankt. Kluges seltsam formlose Arbeitsweise wäre zu betrachten, die es ihm erlaubt, seine Themen durch verschiedene Medien hindurchzudeklinieren. Schließlich wäre in konkreter Analyse und in der Auseinandersetzung mit einigen theoretischen Schriften der Status technischer Bildlichkeit (Film, Fernsehen) zu untersuchen, ohne den Kluges Werk nicht zu denken ist (u.a. Kluges Montage-Theorie, seine kinogeschichtlichen Ausführungen etc.).


 


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