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Englisch-Beispielübersetzungen


10. April 2006

Text der Sprachklausur: Oscar Wilde: „ The Poet as Teacher“.

Es ist einer von Goethes tiefsinnigen Aphorismen, daß wir „jeden Tag in irgendeiner Weise unsere Eindrücke vom Wahren und Schönen erneuern sollten, durch einen Vers eines großen Dichters, den Anblick eines Gemäldes oder einer Statue oder durch den edlen Gedanken eines heroischen Geistes; denn das Geistige in uns ist ständig in Gefahr, von der wuchernden Üppigkeit des Unkrauts und der Dornen, die unser tägliches Leben anfüllen, erwürgt und erstickt zu werden“. In diesem Land allerdings hat die Kunst nur wenige Tempel, in denen dem Volk Lektionen in Anmut und Schönheit erteilt werden können; ebensowenig kann selbst das großartige Buch der Natur von denen genossen werden, die mit schuftenden Händen und stets gesenktem Blick Tag und Nacht am Webstuhl des Lebens arbeiten, um sich das karge Brot des Lebensunterhalts zu verdienen. Die Armen in diesen rauhen nördlichen Klimazonen haben wenig Zeit für das träumerische Sinnieren über dem Bilderbuch der Natur, wozu der angenehme Müßiggang eines südlichen Lebens solch volle Gelegenheit gibt. Der Sonnenuntergang und die Wolke, die geistige Anregung durch den vergehenden Tag oder die Nacht mit ihrem Sternenheer; die Großartigkeit des einsamen Berges, das Lied der Wasser, der Chorgesang der wogenden Bäume – all die Schönheit und Melodie der Welt ist in hohem Maße stumm und verschleiert für unsere müde schuftenden Sklaven der Zivilisation. Aber die Literatur, in der ganzen Fülle ihres veredelnden Einflusses, kann alle Klassen erreichen, die niedrigste wie die höchste. Die Worte des Menschen können dorthin dringen, wo die Musik der Waldbäume niemals zu hören ist. In der Hütte, dem Keller, der Fabrik, dem Bergwerk, unter den Kindern der Städte oder der Ebenen, wo sich auch immer eine Seele befindet, so verdüstert sie auch sein mag, die Seelen anderer Menschen können sie erreichen; die göttlichen Denker aller Zeitalter können hereinkommen und sich bei ihr niederlassen, mag ihre Wohnung auch der erbärmlichste Verschlag sein. Die Seele kann sich wenigstens „ein herrschaftliches Lustschloß bauen“, mag die armselige, schuftende, materielle Hülle noch so niedrig angesiedelt sein. Die Pflicht einer Regierung besteht somit darin, die Bedingungen der Menschen so weit wie möglich zu verbessern, indem sie jede Einrichtung bereitstellt, durch die diese Engelsgesandten unter ihnen ein- und ausgehen können.

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7. April 2005 – 1

Text der Sprachklausur: Jonathan Swift: „A Tale of a Tub“.

Übersetzt von Bernhard Metz.

Es war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne, von einer Frau, bei einer Geburt, so daß nicht einmal die Hebamme mit Sicherheit sagen konnte, welcher von ihnen der Älteste sei. Ihr Vater starb, als sie noch jung waren, und auf dem Sterbebett rief er die Knaben zu sich und sprach folgendermaßen:
Meine Söhne, da ich weder Grundbesitz erworben noch selbst welchen geerbt habe, habe ich lange über passende Erbstücke nachgedacht, die ich Euch hinterlassen könnte. Und schließlich habe ich jedem von Euch, mit großer Sorgfalt und unter Aufwendung hoher Kosten, einen neuen Leibrock besorgt (hier sind sie). Nun müßt Ihr wissen, daß diese Röcke zwei besondere Eigenschaften haben: Die eine ist, daß sie Euch bei guter Pflege Zeit eures Lebens wie neu erhalten bleiben. Die andere ist, daß sie im selben Maße wie eure Körper wachsen und sich von selbst weiten und verlängern werden, so daß sie immer passen. So, laßt sie mich an Euch sehen, bevor ich sterbe. Ja, sehr gut, ich bitte Euch, Kinder, haltet sie sauber und bürstet sie häufig. Ihr werdet in meinem Letzten Willen (hier ist er) vollständige und genaue Anweisungen finden, was das Tragen und die Pflege euerer Röcke betrifft. Diesbezüglich müßt Ihr sehr sorgfältig sein, um die Strafen zu vermeiden, die ich für jede Übertretung oder Vernachlässigung festgelegt habe. Davon hängt Euer künftiges Geschick gänzlich ab. Ich habe in meinem Letzten Willen ebenfalls angeordnet, daß Ihr in einem Haus zusammenleben sollt wie Brüder und Freunde, weil ihr nur dann sicher sein werdet, Euch zum Guten zu entwickeln.
Hier, erzählt die Geschichte, verstarb der gute Vater, und die drei Söhne zogen zusammen aus, um ihr Glück zu suchen.
Ich werde Euch nicht mit der Nacherzählung der Abenteuer belästigen, die sie während der ersten sieben Jahre erlebten, nur lediglich bemerken, daß sie dem Willen ihres Vaters sehr achtsam Folge leisteten und ihre Röcke bestens in Ordnung hielten, daß sie verschiedene Länder durchreisten, eine beachtliche Anzahl Riesen antrafen und einige Drachen töteten.

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7. April 2005 – 2

Text der Sprachklausur: Jonathan Swift: „A Tale of a Tub“.

Übersetzt von Bernhard Metz.

Anmerkung: Dies ist eine ziemlich freie Übersetzung, wie es in einer Übersetzungsklausur schon etwas riskant wäre, bei dieser Sprachklausur aber nicht beanstandet wurde.

Es war einmal ein Mann, dem sein Weib Drillinge geboren hatte, wobei nicht einmal die Hebamme mit Sicherheit angeben konnte, welcher von ihnen der Erstgeborene sei. Als sie noch jung waren, erkrankte der Vater tödlich. Er rief die Knaben an sein Sterbebett und sprach:
Meine Söhne, da ich weder Grundbesitz erworben noch geerbt habe, habe ich lange über eine geeignete Hinterlassenschaft für Euch nachgedacht. Schließlich habe ich jedem von Euch einen neuen Anzug besorgt (hier sind sie) und dabei weder Kosten noch Mühen gescheut. Ihr müßt wissen, daß diese Anzüge zwei besondere Eigenschaften haben: Zum einen bleiben sie bei guter Pflege Zeit Eures Lebens wie neu. Zum anderen weiten und längen sie sich körpergerecht, so daß sie Euch immer passen werden. Zieht sie einmal an, bevor ich sterbe. Sehr gut, bitte Kinder, haltet sie sauber und bürstet sie häufig. Ihr werdet in meinem Testament (hier ist es) vollständige und genaue Anweisungen finden, was das Tragen und die Pflege euerer Anzüge betrifft. Diesbezüglich müßt Ihr sehr akkurat vorgehen, um die Strafen zu vermeiden, die ich für jede Übertretung oder Vernachlässigung festgelegt habe. Euer künftiges Geschick hängt davon völlig ab. Ich habe in meinem Testament ebenfalls angeordnet, daß Ihr in einem Haus zusammenleben sollt wie Brüder und Freunde, denn nur dann kann etwas aus euch werdens.
Hier starb, so die Geschichte, der gute Vater, und die drei Söhne zogen zusammen aus, um ihr Glück zu machen.
Ich möchte den Leser nicht mit der Nacherzählung der Abenteuer, die sie während der ersten sieben Jahre erlebten, aufhalten. Ich will lediglich bemerken, daß sie das Testament ihres Vaters sehr achtsam befolgten und ihre Anzüge bestens in Ordnung hielten. Und daß sie verschiedene Länder bereisten, eine beachtliche Anzahl Riesen antrafen und dabei auch den einen und anderen Drachen zur Strecke brachten.

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7. April 2005 – 3

Text der Sprachklausur: Jonathan Swift: „A Tale of a Tub“.

Es war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne von der selben Frau, und da sie alle gleichzeitig geboren waren, konnte nicht einmal die Hebamme mit Sicherheit sagen, welcher der älteste war. Ihr Vater starb, als sie noch jung waren, und auf seinem Totenbett rief er die Jungen zu sich, um ihnen dies zu sagen:
Meine Söhne; da ich keine Besitztümer erworben oder geerbt habe, habe ich lange über ein gutes Erbe, um es euch zu vermachen, nachgesonnen. Und schließlich, ohne Mühe und Kosten zu scheuen, habe ich jedem von euch einen neuen Mantel besorgt (Hier sind sie). Nun, müsst ihr wissen, dass diese Mäntel zwei Vorteile in sich vereinen: Erstens, wenn ihr sie richtig tragt, werden sie so lange ihr lebt frisch und gut erhalten bleiben; Der andere ist, dass sie mit den Proportionen eurer Körper wachsen werden, sich von selbst verlängern und verbreitern, und euch dadurch immer passen werden. Hier, lasst sie mich an euch sehen, bevor ich sterbe. Also, nun gut, bitte Kinder, haltet sie sauber und bürstet sie oft. Ihr werdet in meinem Testament (hier ist es) genaue Anweisungen zum Tragen und zur Behandlung eurer Mäntel finden; ihr müsst darin sehr genau sein, um die Strafen, die ich für jegliche Verstöße oder Unachtsamkeiten festgelegt hab, zu vermeiden, da euer zukünftiges Glück ausschließlich davon abhängen wird. Ausserdem habe ich in meinem Testament angeordnet, dass ihr zusammen in einem Haus leben sollt wie Glaubensbrüder oder Freunde, da ihr nur so, und nicht anders, gedeihen werdet.
Nun, so erzählt uns die Geschichte, starb der gute Vater und die drei Söhne zogen gemeinsam los, um ihr Glück zu suchen.
Ich will euch nicht damit belästigen, wiederzugeben, welche Abenteuer ihnen in den ersten sieben Jahren begegneten, abgesehen davon, dass sie sorgfältig das Testament ihres Vaters befolgten und ihre Mäntel in gutem Zustand erhielten, dass sie viele Länder bereisten, einer größeren Anzahl von Riesen begegneten und einige Drachen töteten.

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16. Oktober 2003

Text der Sprachklausur: Mary Wollstonecraft Shelley: „Preface“.

Das Ereignis, auf dem diese fiktive Geschichte basiert, wurde von Dr. Darwin und einigen der physiologischen Schriftsteller aus Deutschland als nicht unmögliches Vorkommnis eingeschätzt. Ich will nicht als jemand eingeschätzt werden, der solch einer Vorstellung das geringste bißchen ernsthaften Glaubens schenkt; indem ich es als die Grundlage eines Werks der Einbildungskraft angenommen habe, habe ich mich selbst dennoch nicht als jemand betrachtet, der lediglich eine Anzahl übernatürlicher Schrecken miteinander verwebt. Das Ereignis, von dem das Interessante der Geschichte abhängt, ist von den Nachteilen einer reinen Geschichte über Geister und Verzauberung ausgenommen. Es war angesichts der Neuheit der Situationen, die es hervorbringt, angeraten; und so unmöglich es als physische Tatsache sein mag, ermöglicht es der Vorstellungskraft, einen Standpunkt zur Beschreibung von menschlichen Leidenschaften einzunehmen, die umfassender und eindringlicher sind als sie die gewöhnlichen Verbindungen existierender Ereignisse irgend bieten kann.

Somit habe ich versucht, die Wahrheit der elementaren Prinzipien der menschlichen Natur zu bewahren, während ich keine Skrupel hatte, bei ihrer Verknüpfung Neues auszuprobieren. Die Ilias, die tragische Dichtung Griechenlands, Shakespeare in Der Sturm und Ein Mittsommernachtstraum sowie ganz besonders Milton in Das verlorene Paradies halten sich an diese Regel; und der bescheidenste Romanautor, der zum Diskutieren anregen oder Freude seinem Arbeiten gewinnen will, könnte ohne Dreistigkeit eine Freiheit – oder eher eine Regel – auf fiktionale Prosa anwenden, aus deren Annahme in den hochwertigsten Exemplaren der Dichtung so viele ausgezeichnete Kombinationen menschlichen Fühlens hervorgegangen sind.

Der Umstand, auf dem meine Geschichte beruht, kam mir bei einem beiläufigen Gespräch. Als ich mit ihr anfing, habe ich sie teils als eine Quelle der Freude betrachtet, teils als ein Mittel zum Experimentieren mit jedweder unversucht gelassenen Geistesfähigkeit. Andere Motive wurden mit diesen vermischt, als die Arbeit voranschritt. Keineswegs stehe ich der Art und Weise gleichgültig gegenüber, in der welche moralischen Tendenzen auch immer, die in den Einstellungen oder Figuren präsent sind, welche sie beinhaltet, den Leser berühren werden; dennoch hat sich meine Hauptsorge diesbezüglich darauf beschränkt, die aufreibenden Effekte der zeitgenössischen Romane zu vermeiden, sowie auf die Darstellung der Liebenswürdigkeit häuslicher Zuneigung und die Großartigkeit allgemeiner Tugend.

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10. Oktober 2002

Text der Sprachklausur: Walter Pater: The Poetry of Michelangelo.

Übersetzt von Florian Cramer, Formulierungen verbessert.

Michelangelos Kunstkritiker haben sich manchmal so geäußert, als ob das einzige Merkmal seines Genies eine wundervolle Kraft sei, die, wie es große Einbildungskraft immer tut, ans Sonderbare oder Seltsame grenzt. Eine gewisse Seltsamkeit, etwas vom Blühen der Aloe, ist in der Tat ein Bestandteil aller wahren Kunstwerke: Daß sie uns erregen oder überraschen sollen, ist unabdingbar. Aber daß sie uns Freude schenken und bezaubern, ist ebenso unabdingbar; und diese Seltsamkeit muß außerdem süß sein – eine liebliche Seltsamkeit. Für die wahren Bewunderer Michelangelos ist dies die wahre Art des Michelangelesken – Süße und Stärke, Lust gepaart mit Erstaunen, eine Energie des Entwurfs, die immer kurz davor zu stehen scheint, alle Regeln der schönen Form zu durchbrechen, und dabei Stück für Stück einen Liebreiz wiedererlangt, wie er gewöhnlich nur in den einfachsten Dingen der Natur zu finden ist – ex forti dulcedo.

Auf diese Weise faßt er für sie das ganze Wesen der Kunst des Mittelalters zusammen, und zwar in dem, was sie am deutlichsten von der antiken unterscheidet, nämlich der Präsenz einer ihr innewohnenden konvulsivischen Energie, die in niederen Händen bloß monströs oder bedrohlich wird und selbst in ihren anmutigsten Hervorbringungen als untergründige Archaik oder Groteskes spürbar bleibt. Doch könnte, wer diese Anmut oder Süße bei Michelangelo empfindet, im ersten Augenblick perplex sein, wenn man ihn fragte, worin denn genau diese Eigenschaft liege. Männer schöpferischen Geistes – Victor Hugo zum Beispiel, von dessen Kraft, genau wie von der Michelangelos, die Menschen angezogen oder abgestoßen wurden, während nur wenige seine Süße verstanden haben – haben Vorstellungen von bloß moralischer oder geistiger Größe, aber geringem ästhetischen Zauber manchmal durch hübsche Vorkommnisse oder Beigaben aufgelockert, wie etwa den Schmetterling in Les Misérables, der sich auf den blutbefleckten Barrikaden niederläßt, oder die Seevögel in Les Travailleurs de la Mer, denen der monströse Gilliatt wie ein wildes Naturding vorkommt, so daß sie ihn nicht mehr fürchten.

Siehe auch: Hinweise zur Klausur.

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11. April 2002

Text der Sprachklausur: V. S. Naipaul: „Prologue“.

Übersetzt von Oliver Lubrich.

Dies ist ein Buch über Menschen. Es ist kein Meinungsbuch. Es ist ein Buch der Geschichten. Die Geschichten wurden 1995 gesammelt, in fünf Monaten des Reisens durch vier nicht-arabische muslimische Länder – Indonesien, Iran, Pakistan, Malaysia. Es gibt also einen Zusammenhang und ein Thema.

Der Islam ist in seinen Ursprüngen eine arabische Religion. Wer ein Moslem ist, aber kein Araber, der ist ein Konvertit. Der Islam ist nicht einfach eine Angelegenheit des Gewissens oder privaten Glaubens. Er stellt imperiale Ansprüche. Das Weltbild eines Konvertiten verändert sich. Seine heiligen Stätten befinden sich auf arabischem Boden; seine heilige Sprache ist Arabisch. Sein Verständnis von Geschichte verändert sich. Er verwirft seine eigene; er wird, ob es ihm gefällt oder nicht, zu einem Teil der arabischen story. Der Konvertit muß sich abwenden von allem, was ihm eigen ist. Die verstörende Wirkung auf die Gesellschaften ist immens und kann noch nach tausend Jahren ungelöst fortbestehen; die Abkehr muß wieder und wieder vollzogen werden. Menschen entwickeln Phantasien davon, wer und was sie sind; im Islam konvertierter Länder gibt es ein Element der Neurose und des Nihilismus. Diese Länder können sehr leicht zum Brodeln gebracht werden.

[...]

Ich begann meine Schriftstellerlaufbahn als Verfasser von Fiktionen, als ein Verwalter von Erzählung; seinerzeit hielt ich das für das Höchste, was man überhaupt sein konnte. Als man mich – vor nunmehr fast vierzig Jahren – beauftragte, eine Reise durch gewisse koloniale Territorien in Südamerika und in der Karibik zu unternehmen und ein Buch darüber zu schreiben, war für mich das Reisen selbst eine Freude – kleine Flugzeuge mit fremden Zielen zu besteigen, südamerikanische Flüsse hinaufzufahren –, doch damals war ich mir nicht sicher, wie ich das Buch schreiben sollte, wie ich das, was ich unternahm, in eine Form bringen sollte. Dieses erste Mal kam ich noch mit Autobiographie und Landschaftsbeschreibung durch. Das war Jahre bevor ich erkannt habe, daß das Wichtigste an der Reise für den Schriftsteller die Menschen waren, unter denen er sich befand.

In meinen Reisebüchern oder kulturellen Erkundungen zieht sich daher der Schriftsteller als Reisender zunehmend zurück; die Menschen des Landes kommen in den Vordergrund; und ich werde wieder, was ich am Anfang gewesen war: ein Verwalter von Erzählung. Im neunzehnten Jahrhundert setzte man die erfundene Geschichte dazu ein, Dinge zu leisten, die anderen literarischen Formen – dem Gedicht, dem Essay – nicht so leicht fielen: Auskunft über eine sich wandelnde Gesellschaft zu geben, Gemütszustände zu beschreiben. Es kommt mir merkwürdig vor, daß ausgerechnet die Form der Reiseliteratur – die meinen Instinkten zunächst so fern lag – mich dazu zurückbringen sollte, wieder nach der Geschichte zu suchen; allerdings würde es den Zweck des Buches zunichte machen, wenn die Erzählungen gefälscht oder erzwungen wären. Die Geschichten selbst enthalten genügend Komplexität. Sie ist der Zweck des Buches; der Leser sollte nicht nach ‚Schlußfolgerungen‘ suchen.

Siehe auch: Hinweise zur Klausur.

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