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[ 7. April 2005 | 10. Oktober 2002 | 11. April 2002 ]


Hinweise zu Englisch-Klausuren


7. April 2005

Text der Sprachklausur: Jonathan Swift: „A Tale of a Tub“. – Beispielübersetzungen 1, 2, 3 und 4.
Hinweise von Bernhard Metz.

Häufige Übersetzungsfehler:

„Once upon a Time“ läßt sich als idiomatische Phrase imgrunde nur durch „Es war einmal“ übersetzen, zur Not noch als „Es gab einmal“ und im schlimmsten Fall als „Es begab sich einmal, daß“. Alles andere aber ist falsch, weil es den märchenhaften Ton der Erzählung nicht wiedergibt (cf. „C'era una volta (un re)“, „Había una vez“, „Il était une fois“ etc.).

„And all at a Birth“: Da die drei Söhne Kinder einer Mutter sind und gleichzeitig geboren wurden, sind sie nicht nur Brüder, sondern Drillinge (was man so auch übersetzen könnte). „And all at a Birth“ heißt deshalb auch nicht, daß sie am selben Tag geboren wurden, sondern daß dies gleichzeitig geschah, gleichsam simultan, quasi „auf einen Rutsch“.
Wichtig ist, daß auch die Hebamme (nicht die Amme oder das Kindermädchen, die kämen ja erst später hinzu!) nicht angeben kann, wer von den dreien als erster geboren wurde. Also kann keiner der drei Brüder irgendein Erstgeburtsrecht für sich beanspruchen, in der Allegorie sind somit alle drei christlichen Denominationen gleich unmittelbar zu Gott bzw. zum Neuen Testament und einer Einsetzung durch Jesus Christus.

Ein „coat“ ist nicht nur ein Mantel (in unserem heutigen Sinn), sondern im 18. Jh. ein Geh- bzw. Überrock, was auch der mitreproduzierte zeitgenössische Stich zeigt. Die Söhne tragen ihre Röcke ja auch nicht nur im Winter, sondern das ganze Jahr über. Anzug oder Kleidungsstück wäre eine gute Alternative, aber da der Text ein historisches Kolorit hat, ist Rock wohl die beste Wahl.

„Pray“ unterstützt eine Aufforderung oder Bitte und entspricht dabei dem heute noch gebräuchlichen „please“. Man kann es daher unübersetzt lassen oder eben wie »please« übertragen: „Kinder, bitte“, auch „Kinder, ich bitte euch“; es ist aber kein Imperativ zu „to pray“, und daher nicht die Aufforderung des Vaters, seine Söhne mögen nun mit dem Beten oder Schwören oder ähnlichen Ritualen beginnen.

„Brethren and Friends“ ist, da die Brüder ja bereits miteinander verwandt sind, als geistige Bruder- und Freundschaft zu verstehen. So wie Ordensbrüder (oder -schwestern) in Klöstern eben auch eine Lebensgemeinschaft bilden und gleichsam verwandt sind. „Glaubensbrüder“ oder „Brüder im Glauben“ ginge auch noch. „Brethren“ ist aber kein Eigenname, wie etliche Male übersetzt wurde, was als „wie Brethren und seine Freunde“ sogar völlig unmöglich ist; dann nämlich müßte es „like Brethren and his Friends“ heißen.

„To thrive“ kann gedeihen heißen, aber doch eher bei Pflanzen oder vielleicht noch bei Tieren („sie wuchsen und gediehen prächtig ... “; wobei es im Märchen mitunter wirklich so verschmockt zugeht, das stimmt schon); hier heißt es Erfolg haben, sich gut entwickeln und bezieht sich auf ein gelingendes Leben, also gewissermaßen auf das Programm des Bildungs­romans, was man sehr bündig auch als Wunsch des Vaters verstehen kann, daß aus seinen Söhnen etwas werde.

„slew certain Dragons“: Die drei Abenteurer töten zwar einige Drachen, aber deshalb schlachten sie diese noch nicht unbedingt, auch wenn „to slay“ das wörtlich heißen mag. Aber auch wenn hier von einer blutigen Angelegenheit berichtet wird, gibt es auch im Märchen keine Drachenschlachtereien; „erschlagen“, „töten“, vielleicht noch „erlegen“ und vielleicht sogar „hinschlachten“ oder „abschlachten“ wären einige bessere (und in der Tat gewählte) Varianten.
„Certain Dragons“ schließlich sind nicht „gewisse Drachen“ oder „gewiß Drachen“, sonder einfach nur „einige Drachen“ oder „der eine und andere Drachen“.

(Druckversion – .pdf-Datei)
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10. Oktober 2002

Text der Sprachklausur: Walter Pater: The Poetry of Michelangelo. – Beispielübersetzung.
Hinweise von Florian Cramer.

Häufige Übersetzungsfehler:

„critic(s)“: Kunst- oder Literaturtheoretiker, -wissenschaftler, -kritiker. Literaturwissenschaft und -theorie firmiert im Englischen als „criticism“, das Wort „critic“ steht klassischerweise für normativ-autoritative Philologen und Poetiker wie Dr. Johnson, Matthew Arnold oder, in der Gegenwart, Harold Bloom. (Die Übersetzung „Kritiker“ mag noch angehen, „Kritiken“ aber gewiß nicht!)

„as if [the only characteristic] were a [wonderful strength]“: „als wäre ...“, „als ob ... sei“. (Englischer Konjunktiv realis, kein Imperfekt!)

„strength“: Stärke, Kraft (nicht „Strenge“!!!)

„charm“: Zauber (im Sinne des magischen Zaubers, nicht: „Charme“!)

„exert a charm“: bezaubern, einen Zauber auf jemanden oder etwas ausüben

„conception“: Vorstellung, Entwurf (auch, hier jedoch nicht: biologische Empfängnis)

„energy of conception“: Vorstellungskraft oder, hier naheliegend: Kraft des Entwurfs

„to sum up“: zusammenfassen, auf einen Nenner bringen (nicht: „aufzählen“!)

„classical“: antik !!! Dies wurde in allen Klausuren falsch übersetzt! Altphilologien und Altertumswissenschaften heißen im Englischen „classics“. Die deutsche Übersetzung „klassisch“ ist hier schlicht falsch und sogar irreführend, weil man in Deutschland mit „klassisch“ in erster Linie die Goethe-Zeit, ggfs. auch die Renaissance assoziiert. Umgekehrt bedeutet „antique“ im Englischen bloß „alt“ und nicht „antik“ im Sinne der griechischen und römischen Antike.

„convulsive“: konvulsiv, konvulsivisch. (Später, im 20. Jahrhundert, das Schlüsselwort der surrealistischen Ästhetik. André Bretons Roman Nadja endet mit dem Satz: „La beauté sera CONVULSIVE ou ne sera pas.“)

„forbidding“: bedrohlich (nicht: „verbietend“, „bestrafend“, erst recht nicht: „verboten“ [= forbidden].)

„most graceful products“: anmutigsten Erzeugnissen/Hervorbringungen (nicht „graceful“ mit „erhaben“ [„sublime“] übersetzen; wer nicht versteht, weshalb, möge sich bitte schleunigst Kenntnisse der ästhetischen Kategorie des Erhabenen aneignen, z.B. durch die Lektüre von Pseudo-Longins Traktat „Über das Erhabene“ [„Peri hypsos“], Edmund Burkes „Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and Beautiful“ sowie Kant und Schillers Schriften über das Erhabene.)

„quaintness“: Altertümlichkeit (nicht „Weisheit“)

„grotesque“: das Groteske (nicht „die Groteske“!!!)

„quality“: Eigenschaft

„such quality“: diese Eigenschaft (nicht „solch eine Eigenschaft“ – „such a quality“)

„[have ...] relieved“: hier kein Adjektiv, sondern die Perfektform des Verbs „to relieve“ [erleichtern, auflockern]

„alights“: to alight = sich auf etwas niederlassen (nicht „erhellen“!)

„blood-stained“: blutbefleckt. („stain“ bedeutet „Fleck“, nicht „Stein“!)

„comes to be as some wild natural thing“: „wie ein wildes Naturding vorkommt“ („some“ heißt hier nicht „ein beliebiges“, auch „irgendein“ wäre eine leicht schiefe Übersetzung; „some“ + ein Substantiv im Singular hat im Englischen den Unterton des Befremdens und im Deutschen keine wirklich adäquate Entsprechung).

(Druckversion – .pdf-Datei)
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11. April 2002

Text der Sprachklausur: V. S. Naipaul: „Prologue“. – Beispielübersetzung.
Hinweise von Oliver Lubrich.

Allgemeiner Hinweis:

Es empfiehlt sich, einen Text zunächst auf metaphorische Strukturen und terminologische Felder zu untersuchen, um verschiedene nahe beieinander liegende Begriffe möglichst präzise nuancieren zu können. Naipauls Text kreist um zwei Themen: ein kulturgeschichtlich-politisches und ein poetologisches – die Konversion nicht-arabischer Völker zum Islam und die Gattung der Reiseliteratur.

1. Zu beachten sind also einerseits die semantischen Unterschiede zwischen den zentralen politischen Begriffen: „people“ (Volk), „country“ (Land), „land“ (Land), „nation“ (Nation), „state“ (Staat), „society“ (Gesellschaft), „territory“ (Territorium), „imperial“, „colonial“ usf.

2. Zu unterscheiden sind andererseits die diversen literarischen Termini: „story“, „history“, „writing“, „writer“, „fiction“, „narrative“, „book“, „travel book“, „form“, „travel form“, „literary forms“, „autobiography“, „poem“, „essay“, „context“, „theme“, „pattern“, „exploration“, „invented“, „describe“, „complexities“ usw. – Auch diese Begriffe sind nicht ohne weiteres ins Deutsche zu übertragen. („Roman“, „Prosa“, „Tagebuch“, „Erzählung“, „Bericht“, „Fiktion“ usw. haben keineswegs deckungsgleiche Bedeutungsbreiten.)

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Die am häufigsten aufgetretenen Schwierigkeiten:

„Beyond“: „Jenseits“, Doppelsinn: „Kaum zu glauben“, weniger: „Hinter ...“ („Behind ...“), „Außerhalb ...“ („Outside ...“), nicht: „Über ...“ („About ...“, „On ...“), „Mehr als ...“ („More Than ...“)

„Islamic“: „islamisch“, nicht: „islamistisch“!

„Among“: „bei“, „unter“; nicht: „entlang“, weniger: „zwischen“

„peoples“: „Völker“, nicht: „Menschen“ („people“!)

„So there is ...“: „Also gibt es ...“, nicht: „So, das ist ...“, „weswegen ...“, „Daraus ergibt sich ...“, „Soweit zu ...“, „Da haben Sie ...“

„conscience“: „Gewissen“, nicht: „Bewußtsein“ („consciousness“!), „Selbstbewußtsein“ („self-confidence“!)

„imperial“: „imperial“, „Herrschafts-“ o.ä., nicht: „imperialistisch“ („imperialist“!), und auch nicht: „unumstößlich“, „umfassend“, „schwerwiegend“, „verpflichtend“, „gewichtig“, „überindividuell“, „absolut“, „unausweichlich“ u.ä.

„alters“: „verändert sich“, „wandelt sich“ usw., nicht: „unterscheidet sich“

„... his own“: „seine eigene“ (Geschichte), nicht: „sich selbst“, „sein Selbst“, „sein Ich“

„... that is his“: „das ihm eigen ist“, „was sein eigen ist“, „alles ihm Eigene“ o.ä., nicht: „von allem Bisherigen“

„societies“: „Gesellschaften“, nicht: „Gemeinschaften“ („communities“!)

„after a thousand years“: „nach 1000 Jahren“, nicht: „nach Tausenden von Jahren“

„unresolved“: „ungelöst“, nicht: „unerlöst“ („redeemed“!), „noch nicht wieder im Einklang ...“ (womit?)

„set on the boil“: Die Metaphorik des Brodelns, Siedens, Kochens sollte hier erhalten bleiben; daher nicht: „Stimmung“, „Anspannung“, „Pulverfaß“, „aktiviert“ o.ä.

„fiction“: „Fiktion“, nicht gleichbedeutend mit: „Roman“ oder „Prosa“

„taking small airplanes“: „kleine Flugzeuge nehmen“, „... besteigen“, nicht: „... fliegen“, „... bringen“

„going up“: (Flüsse) „hinauffahren“, nicht: „zu den Flüssen fliegen“, „die Flüsse hinauffliegen“, „hoch zu den Flüssen ...“, „an den Flüssen entlang gehen“

„That first time ...“: „Dieses erste Mal ...“, nicht: „Diese erste Zeit ...“, „In dieser ersten Zeit ...“, „Zum ersten Mal“, „Es war das erste Mal ...“

„I got away with ...“: „Ich kam davon mit ...“, „Ich zog mich mit ... aus der Affäre“, nicht: „Ich ließ beiseite ...“, „ich wurde belangt mit ...“, „ich probierte es mit ...“, „ich hatte es zu tun mit ...“, „begnügte ich mich mit ...“, „verbrachte ich mit ...“, „entschied ich mich für ...“

„It was years before ...“: „Das war Jahre bevor ...“, „Jahre später ...“, „Es dauerte Jahre, bis ...“, nicht: „Jahre zuvor ...“, „Es ist Jahre her, daß ...“

„mental states“: „Gemütszustände“, „geistige Zustände“, nicht: „erdachte Staatssysteme“

„the travel form“: „die reiseliterarische Form“, „die Form der Reiseliteratur“, nicht: „die Form des Reisens“, „die Erfahrung des Reisens“ (= die Reise selbst)

„to looking for the story“: „nach der Geschichte zu suchen“, „... Ausschau zu halten“, „zur Suche nach der Geschichte“, nicht: „um nach der Erzählung zu suchen“ (final), „auf die Erzählung zu achten“ („to look at ...“)

„undone“: „zunichte gemacht“, nicht: „eingegrenzt“, „noch unfertig“, „ungeschehen“, „verfehlt“

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Weitere, überwiegend stilistische Problemfälle:

„people“: besser „Menschen“ als „Leute“

„book of ...“: „ein Buch der Geschichten“, eigtl. nicht „über ...“, weniger: „voller ...“, „voll von ...“, „mit [Meinung]“

„opinion“: eigtl. Singular („Meinungsbuch“), nicht: „Glauben“

„non-Arab Muslim countries“: „nicht-arabische islamische Länder“ (Beide Begriffe müssen auftauchen, da es ja gerade um deren Verhältnis geht.)

„origins“: eigtl. Plural („Ursprünge“), metaphorisch nicht gleichzusetzen mit „roots“ („Wurzeln“)

„idea“: eigtl. nicht „Idee“ (Anglizismus)

„he rejects“: „er wendet sich ab von ...“, „er verwirft“; nicht: „verstößt“, „verliert“, weniger: „verweigert“

„whether he likes it or not“: eigtl. „ob es ihm gefällt ...“, nicht: „ob er will ...“ („wants to“)

„disturbance“: „Störung“, „Verunsicherung“ o.ä., weniger: „Aufruhr“, „Unruhe“, „Aufschreckung“, „Durcheinander“, nicht: „Einschnitt“, „Umbruch“, „Zerwürfnis“

„phantasies“: eigtl. „Phantasien“, weniger: „Wunsch“ („desire“), „Vorstellungen“ („idea“, „concept“), „Begriff“ („notion“)

„element“: eigtl. weniger: „Rest“, „Spur“ („trace“)

„manager of narrative“: „Organisator“, „Gestalter“, „Verwalter“ usw., also „Geschichtenverwalter“, „Verwalter von Erzählung“, durchaus auch: „Manager des Narrativen“, dagegen eher nicht: „Herrscher ...“ oder „Chef ...“, „Vertreter ...“

„I was asked“: „Ich wurde gebeten“, „ ...beauftragt“ etc., eigtl. nicht: „ich wurde gefragt, ... zu reisen“ (Anglizismus)

„strange places“: [dem Reisenden] „fremde Orte“, hier eher als: „seltsame“, „merkwürdige“

„a pattern“: „eine Form“, „eine Struktur“, nicht: „ein Muster von dem, was ...“ (im Sinne von „Vorbild“)

„So ...“: „Also“, „Daher“, nicht: „Somit“

„steadily“: „zusehends“, „kontinuierlich“, „stetig mehr“, nicht: „immer“, „stets“

„though“, hier: „allerdings“, „freilich“, „gleichwohl“, nicht: „auch wenn“, „vielmehr“, „als ob“

„the point of the book“: „der Zweck“, „der Ansatz des Buches“, „der springende Punkt“ o.ä., weniger: „die Aussage“, „der Grund“

„complexities“: „Komplexität[en]“, weniger: „Schwierigkeiten“, „Zusammenhänge“

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